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Donnerstag, 19. November 2009

Kelber rät zum Angriff mit Humor

Über Ulrich Kelbers Anekdoten aus dem Bundestag amüsieren sich die vier Rednerinnen der „SPD-Fraktion" (von links) Johanna Gohlke, Sophia Crüwell, Johanna Grefertz und Annabel Spielker köstlich. FOTO: BARBARA FROMMANN

Der SPD-Bundestagsabgeordnete bereitet seine „Fraktion" in der Liebfrauenschule auf die GA-Schülerdebatte vor

Von Lisa Inhoffen

BONN. Bei fünf eigenen Kindern, das jüngste ist gerade ein Jahr alt, fängt für Ulrich Kelber der Tag früh an. Als er gestern Morgen kurz vor acht Uhr die Aula der Liebfrauenschule betritt, hat der Bonner Bundestagsabgeordnete und Vize-Vorsitzende der SPD im Bundestag bereits zwei Stunden Kinderdienst hinter sich, erzählt er den Schülerinnen der Klassen 9 an der Liebfrauenschule. Mit Spannung haben sie mit ihren Lehrern Ulrike Windgassen und Konrad Müller auf ihn gewartet. Auch Direktorin Brigitte Lenz lässt es sich nicht nehmen, Kelber persönlich willkommen zu heißen. Von ihm erhoffen sich die Mädchen, die bei der Schülerparlamentsdebatte des General-Anzeigers am kommenden Samstag die SPD-Fraktion spielen, auf jeden Fall noch einen letzten Schliff für ihre Reden. Das Thema ist sperrig, es geht ums Geld und um die schwierige Aufgabe, mit der Regierung und anderen „Fraktionen“ aus weiteren sechs Schulen aus Bonn und der Region ein Gesetz zu verabschieden, nach dem der Bundestag künftig nur noch so viel Geld aus-geben darf, wie er einnimmt. Die Schülerinnen sind bestens Vorbereitet, stellt Kelber nach einer kurzen Einführung der Mäd-chen ins Thema anerkennend fest. Natürlich ist aus Sicht dieser „SPD“ die FDP „alles schuld“, wie sie kichernd in den Raum werfen. „Aber wie können wir die anderen Fraktionen am besten angreifen?“, fragt eine Schülerin. Eine andere hat das Problem, sie stehe doch gar nicht hinter der Forderung der SPD, eine „Reichensteuer, oder, wie Kelber korrigiert, eine Anhebung des Spitzensteuersatzes zu fordern. „Auf keinen Fall auf den anderen einhacken“, rät der Politiker. Besser sei es, Widersprüche aufzuzeigen, und mit wohl dosierter Polemik die Zuhörer auch mal zum Lachen zu bringen. Und bloß nicht mit dem Finger in die Menge zeigen und sagen „Sie sind schuld“. Denn der Redner stehe im Fokus der Kameras und so erzeuge er den Eindruck, der Fernsehzuschauer sei schuld. Die Zeit vergeht wie im Fluge. „Redet in kurzen Sätzen“, hat Kelber noch einen weiteren Tipp auf Lager, „und ignoriert am besten die Zwischenrufer". „Och, wir haben doch selbst ganz viele eingeplant“, be-dauern die Schülerinnen. Na ja, dann sollten sie auch nicht darauf verzichten, sagt Kelber mit einem Schmunzeln und kann sich die Geschichte vom einstigen legendä-ren SPD-Fraktionschef Herbert Wehner nicht verkneifen, der da-mals den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe als „Übelkrähe“ beleidigte und dafür gerügt wurde. Wichtig ist natürlich die Kleiderordnung: „ Zieht euch so an, als wenn ihr zur 80. Geburtstagsfeier eures Großvaters geht“, empfiehlt der Abgeordnete. Nur gegen das Lampenfieber, da habe er leider kein Rezept parat, räumt er ein.

General-Anzeiger-Bonn vom 20. 5. 09